„Nur glückliche Kinder. Wäre ich doch nochmal wieder Kind. So etwas gab es zu meiner Zeit nicht.“ Wie es aussieht, sollte der SuS Vehrte darüber nachdenken, die Altersbegrenzung für das Fußballcamp „D.F.B. – Dankbarkeit. Freundschaft. Bildung.“ deutlich anzuheben. Diese Nachricht hat nämlich ein Großvater in die Whats-App-Gruppe der Familie gestellt, nachdem er seinem Enkel eine Weile zugeschaut hatte. Der Junge habe drei großartige Tage gehabt, „die besten in diesem Jahr“ laut eigener Aussage.
Seit 2024 lädt der SuS Vehrte zu Ferienbeginn zum D.F.B.-Camp ein. Mädchen und Jungen zwischen 6 und 15 Jahren aus allen Vereinen können mitmachen. Zwölf Clubs waren es in diesem Jahr – ein neuer Rekord. Nach 43 Kindern im ersten Jahr und 55 beim zweiten Mal, hat Organisator und Jugendtrainer Lars Herrmann dieses Mal bei 60 Anmeldungen die Warteliste begonnen. „In den Teams und Vereinen spricht sich herum, wie viel Spaß die Kinder hier haben. Deshalb verzeichnen wir jedes Jahr mehr Anfragen, obwohl wir schon gar nicht mehr für das Camp werben“, erzählt der 38-Jährige.
Das D.F.B.-Camp bietet mehr als die Einheiten mit den Schwerpunkten Dribbling, Spielformen, Torschuss oder Challenges. So war auch ein Graffiti-Workshop Teil des Programms. Robin Herzberg (Sprühfrisch) hatte entsprechendes Material mitgebracht. Jede der drei Gruppen hat unter seiner Anleitung eine Leinwand gestaltet, die Buchstaben D, F und B im Mittelpunkt. Die drei Leinwände ergeben zusammen ein Gesamtkunstwerk, das nach der finalen Bearbeitung im Clubheim hängen wird. „Wir möchten die Kinder jedes Jahr etwas Neues ausprobieren lassen“, sagt Lars Herrmann. Zu dem Trainerteam zählen außerdem noch sein Schulfreund Torsten Kuhlmann (u.a. SV Bad Rothenfelde, Viktoria Gesmold), Vehrtes Jugendobmann und B-Jugend-Trainer Marc Müller sowie Jonas, Henri und Lukas Meier zu Farwig, allesamt Spieler der 1. Herrenmannschaft des SuS.
Die Cousins haben auch etwas mit den beiden Gästen gemeinsam, denn sowohl der SuS Vehrte als auch der VfL Osnabrück standen am Ende der Saison 2025-26 als Meister in ihrer Liga fest. Der SuS ist in die Kreisliga aufgestiegen, die Lila-Weißen haben den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft. Robin Fabinski und Ismail Badjie haben den Kindern zum Beispiel erzählt, in welchem Stadion sie gerne mal auflaufen würden, welche Bedeutung hinter ihrem Torjubel steckt oder welcher Spieler ihr Vorbild ist. Beide haben zudem fleißig Autogramme geschrieben – auf Schals, Schuhen, Schienbeinschonern und sogar auf einem Schuhanzieher. Fotograf Peter Gürtler hat all diese Momente mit der Kamera festgehalten. Fast 1500 Fotos hat er für die Eltern hochgeladen.
Zu Zeiten des Großvaters mag es solche Camps noch nicht gegeben haben. Aber auch viele aktuelle Stars hatten in ihrer Kindheit nicht die Möglichkeit, an einem Fußballcamp teilzunehmen. Ihr Alltag war von Armut, Gewalt oder Verlust geprägt. Jedes Jahr stellt Lars Herrmann den Kindern solche Lebenswege vor: „Mit diesen Beispielen greifen wir das Thema Dankbarkeit auf. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die Möglichkeit haben, diese Zeit miteinander zu verbringen.“ Manchen Stars mangelte es früher sogar an einem Ball. Ein Problem, das die Teilnehmenden nicht haben dürften, denn sie bekamen zum Abschluss unter anderem einen Fußball.
Jeder Tag endete um 17.15 Uhr. Manche Kinder sind direkt zu 8 Uhr gebracht worden, andere zum Start des Warm-ups um 9 Uhr. Bei solch einer langen Zeit bekommen die Kinder natürlich Hunger. An den ersten beiden Tagen hatte die Gaststätte „Zur Hünenburg“ das Mittagessen geliefert, am letzten Tag haben zwei Mütter gegrillt. Dank „Besser – zuhause genießen“ gab es täglich reichlich Eishörnchen für alle – auch für die Erwachsenen.
Wäre der Großvater doch nur zum richtigen Zeitpunkt am Platz gewesen…